Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom: So lassen sich grüne Anbieter erkennen

Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom: So lassen sich grüne Anbieter erkennen

Immer mehr Haushalte möchten Ökostrom nutzen. Oft ist das natürlich sinnvoll, wenn der schon aus Gründen des Klimaschutzes auf das E-Auto oder den E-Roller umsteigt, der möchte das Gefährt freilich mit grünem Strom aufladen. Allerdings ist das Thema Ökostrom häufig kontrovers. Es gibt keine absolut klare Regel, ab wann ein Anbieter das Label nutzen darf. Sicherlich gibt es zig Siegel, doch die Regularien dafür sind lascher als die des örtlichen TÜV, wenn er das Auto der Tauglichkeitsprüfung unterzieht. Aber wie können Verbraucher echte Ökostromanbieter finden?

Abbildung 1: Wer bei seinem Stromanbieter auf Ökostrom umstellen möchte, sollte sich das jeweilige Angebot genau anschauen. Bildquelle: @ Johannes Plenio / Unsplash.com

Was darf sich alles Ökostrom nennen?

Es könnte so einfach sein. Ökostrom ist der Strom, der aus erneuerbaren Energien geschaffen wird. Wäre es einfach, so könnte ein Anbieter, der Wind-, Wasser- oder Solarparks unterhält seinen Strom als Ökostrom anpreisen und alle anderen müssten mindestens Mischformen angeben. Leider ist das allerdings nicht so, denn der Begriff ›Ökostrom‹ ist nicht geschützt:

  • Investitionen – theoretisch kann ein Anbieter, der nur Kohle- und Atomkraftwerke betreibt, einen Ökostromtarif anbieten, wenn er in Projekte mit erneuerbaren Energien investiert. Problematisch ist hierbei, dass die Investition auch groß ausgelegt werden kann. Mitunter kann der Kauf von Aktien ausreichen.
  • Mischform – häufig handelt es sich um Mischformen. So beinhaltet der Ökostromtarif Energie aus erneuerbaren Quellen, aber auch zur Hälfte Strom aus normalen Quellen.
  • Ausschlüsse – je nach Label werden Stromquellen beispielsweise zusätzlich ausgeschlossen. Strom aus Wasserkraft wird dann nur teilweise oder gar nicht als Ökostrom gewertet, weil der Staudamm wiederum ein Eingriff in die Natur darstellt.

In anderen Ländern ist das wesentlich klarer geregelt. Österreich nennt beispielweise jeden Strom, der aus erneuerbaren Quellen stammt, ganz simpel Ökostrom. Diese Auffassung dürfte den meisten Menschen sehr gut gefallen, immerhin ist das das Verständnis des Ökostroms.

Davon abgesehen ist es natürlich nicht so, dass ein Stromkunde tatsächlich grünen Strom aus der Steckdose bekommt. Was bei einem Verbraucher ankommt, ist ganz simpel Strom. Der Tarif bezieht sich immer nur auf die Einspeisung von Strom aus regenerativen Quellen in das Stromnetz. Die einzige Möglichkeit, um sein E-Auto tatsächlich mit absolutem Ökostrom zu laden, ist die, in eine Solaranlage samt Stromspeicher zu investieren und somit das Auto mit dem eigenen Strom vom Hausdach aufzuladen. Kostentechnisch ist diese Variante ohnehin sinnvoll, denn wer zu großen Teilen seinen selbst produzierten Strom verbraucht, der muss weniger hinzukaufen. Somit lässt sich auch die schlechte Einspeisevergütung leicht verkraften.

Woran lassen sich echte Ökostromanbieter erkennen?

Es gibt spezielle Siegel, die echte Ökostromanbieter auszeichnen. Doch wenn schon der Begriff nicht geschützt ist, so ist es natürlich klar, dass es auch mehrere Siegel gibt, wie es auch mehrere Qualitätsrichtlinien gibt:

  • Unabhängigkeit – ist der Stromanbieter unabhängig, so kann er selbst über die Stromgewinnung entscheiden. Dies ist bei börsennotierten Unternehmen meist problematisch, denn die Firmen können nicht einfach hingehen und ihren eigenen Weg gehen, da die Anteilseigner widersprechen würden.
  • Transparenz – ein guter Anbieter gibt klar an, woher welcher Anteil seines Stroms stammt. Die Herstellung wird gezeigt, erklärt und der Anbieter achtet auf einen ressourcenschonenden Umgang.
  • Siegel – absolut sicher sind das ok-power-Gütesiegel und das Grüner-Strom-Label. Die Kriterien für die Anbieter sind streng. Übrigens können Interessenten auch bei den gängigen Umweltschutzorganisationen schauen, denn auch diese sehen sich die Stromanbieter genau an.
  • Genau hinschauen – gerade bei TÜV-Siegeln rund um den Strom ist genaueres Hinsehen wichtig. Während der TÜV Nord nur ein Siegel bietet, gibt es beim TÜV Süd gleich vier. Und die unterscheiden sich teils markant. Das Siegel EE01 erlaubt nur 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien, wobei 25 Prozent aus Neuanlagen mit einem Höchstalter von drei Jahren produziert werden muss. Bei zwei anderen Siegeln darf allerdings fünfzig Prozent des Stroms aus herkömmlichen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen stammen.

Noch besser als Ökostrom ist der nicht verbrauchte Strom

Wer es schafft seinen Stromverbrauch zu senken ist deutlich umweltbewusster unterwegs. Dabei kann man auch zu ungewöhnlichen Mitteln wie dem Jobtausch greifen. Dies spart das Pendeln mit dem E-Auto.

Was ist bei Stromanbietern sonst noch zu beachten?

Rein auf den Ökostrom sollten Verbraucher nie achten. Ein Stromvertrag kann nämlich seine Tücken haben und es ist gut, wenn Verbraucher in der Lage sind, schnell auf diese zu reagieren. Daher gilt:

  • Kündigungsfristen – so kurz, wie nur möglich. Das ist die klare Devise für alle, die einen Stromvertrag abschließen.
  • Keine Jahresvorauszahlungen – der Stromvertrag wird monatlich bezahlt, nicht jährlich. Wer eine jährliche Vorauszahlung leistet, der läuft Gefahr, im Insolvenzfall des Anbieters mit doppelten Kosten dazustehen. Denn die Erstattung des bereits bezahlten Betrags kann sich, wenn sie erfolgt, um Jahre hinzuziehen.
  • Bonus – die meisten Stromverträge werden heute mit einem Bonus kombiniert. Der Vertragsnehmer zahlt für einen gewissen Zeitraum ein um den Bonus reduzierten Betrag. Wichtig ist schon bei Abschluss der Blick auf die Zeit nach der Bonusanrechnung. Mitunter sind die monatlichen Kosten hier weitaus höher als bei vergleichsweisen Angeboten.

Wichtig ist, keine Furcht vor einem Wechsel zu haben. Häuser sind in der Regel über die Leitungen im Ernstfall immer an die Grundversorgung angeschlossen. Das ist übrigens der Grund, weshalb in Wohnungen, die gerade angemietet werden, auch schon das Licht brennt. Sollte also ein Stromanbieterwechsel mal nicht funktionieren, ist auf jeden Fall weiterhin Strom über den Grundversorger vorhanden. Auch ist eine doppelte Abrechnung nicht möglich, da die Bundesnetzagentur keine Doppelbelegung von Stromzählern erlaubt. Ein noch nicht freigegebener Zähler ist schlichtweg im internen System für einen Neuanbieter gesperrt.

Abbildung 2: Echte Ökostromanbieter produzieren wirklich Strom aus erneuerbaren Energien. Bildquelle: @ Zbynek Burival / Unsplash.com

Fazit – immer genauer hinschauen

Ökostrom ist beliebt – auch bei den Anbietern. Daher rühmen sich viele mit entsprechenden Tarifen, obwohl nicht immer der Ökostrom drinsteckt, den sich Verbraucher wünschen. Wer gezielt nach einem Ökostromanbieter sucht, der sollte immer vor dem Vertragsabschluss den Anbieter genauer hinterfragen. Welche Angaben macht er auf seiner Homepage? Bleibt er sehr nebulös, so ist schon Vorsicht geboten. Auch die Siegel können mitentscheidend sein. Die Spitzensiegel werden nur vergeben, wenn hohe Anforderungen durch den Anbieter erfüllt werden. Eventuell kommt irgendwann die Zeit, in der der Begriff Ökostrom klar definiert und geschützt wird – möglichst so, wie in Österreich, wo kein Bürger recherchieren muss, was eigentlich hinter dem Strom steckt.

 

 

 

Epowers
Logo
Compare items
  • Total (0)
Compare
0